Urlaub für jugendliche Arbeitnehmer


Urlaubsanspruch

Jugendliche Arbeitnehmer erhalten den Urlaub grundsätzlich nach den gesetzlichen Vorschriften. Abweichend von § 19 Abs. 2 JArbSchG (=Jugendarbeitsschutzgesetz) beträgt jedoch der Urlaub für Arbeitnehmer, die am 1. Januar des Kalenderjahres noch nicht 18 Jahre alt waren, 30 Arbeitstage.

Samstage gelten nicht als Arbeitstage.

Für Schwerbehinderte im Sinne der gesetzlichen Bestimmungen (Grad der Behinderung von mindestens 50) erhöht sich der Urlaubsanspruch um 5 Arbeitstage auf 35 Tage.

Bei Anerkennung der Schwerbehinderung im Laufe eines Kalenderjahres gilt mit Wirkung ab 1. Mai 2004 (neue gesetzliche Regelung) der höhere Urlaubsanspruch anteilig für jeden vollen Kalendermonat. Erlischt die Schwerbehinderteneigenschaft während des Kalenderjahres (Grad der Behinderung geringer als 50), so besteht der höhere Urlaubsanspruch ebenfalls nur noch anteilig.

Der jugendliche Arbeitnehmer erwirbt seinen vollen Urlaubsanspruch frühestens nach sechsmonatigem Bestehen des Arbeitsverhältnisses (Wartezeit).

Besteht das Arbeitsverhältnis innerhalb des ersten Urlaubsjahres (=Kalenderjahr) weniger als 6 Monate, so hat der jugendliche Arbeitnehmer für jeden vollen Beschäftigungsmonat Anspruch auf 1/12 von 30 Urlaubstagen. Bruchteile von mindestens 0,5 Tagen werden auf einen vollen Tag aufgerundet.

Besteht das Arbeitsverhältnis weniger als einen vollen Beschäftigungsmonat, entsteht kein Urlaubsanspruch.


Urlaubsgewährung

Der Urlaub soll zusammenhängend gewährt und genommen werden.


Übertragbarkeit

Urlaub kann nur dann in das nächste Kalenderjahr übertragen werden, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen.

Ist die Wartezeit (sechs Monate im Kalenderjahr) erfüllt, besteht ein Anspruch auf den gesamten Jahresanspruch, der dann bis zum 31. März des Folgejahres gewährt und genommen werden muss.

Ist die Wartezeit nicht erfüllt, entsteht nur ein Teilanspruch nach Monaten, der bis zum 31. Dezember des Folgejahres gewährt und genommen werden kann.

Beispiel:

Ein 17jähriger Arbeitnehmer hat am 1.Oktober 2012 eine baugewerbliche Tätigkeit aufgenommen. Er erwirbt für jeden vollen Beschäftigungsmonat 1/12 von 30 Urlaubstagen. Demnach hat der Arbeitnehmer nach 3 Monaten Beschäftigungszeit am 31.12.2012 einen Urlaubsanspruch auf:
3/12 von 30 Urlaubstagen = 8 Tage Urlaub.

Berechnung: 30 Urlaubstage geteilt durch 12 Monate mal
3 Monate Beschäftigungszeit = 8 Tage Urlaubsanspruch
(gerundet von errechneten 7,5 Tagen).

Wenn der Arbeitnehmer nun im Jahr 2013 weiterbeschäftigt wird, kann er den übertragenen Resturlaub 2012 von 8 Tagen bis zum 31.12.2013 erhalten.


Abgeltung

Kann der Urlaub des Jugendlichen wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses ganz oder zum Teil nicht mehr gewährt und genommen werden, so ist er durch den Arbeitgeber abzugelten. Die Abgeltung wird mit dem Ende des Arbeitsverhältnisses fällig.

Eine Entschädigung durch die UKB ist ausgeschlossen.

Jugendliche Arbeitnehmer haben bei Beginn des Arbeitsverhältnisses eine Bescheinigung des letzten Arbeitgebers über den im laufenden Urlaubsjahr erhaltenen Urlaub oder die Urlaubsabgeltung vorzulegen (§ 2 Nr. 2 BRTV).

Ist ein Teil des Urlaubs bereits abgegolten, kann nur noch der verbliebene Rest gewährt und genommen werden.

Hat der jugendliche Arbeitnehmer bereits einen über den erworbenen Anspruch hinausgehenden Urlaub erhalten, so kann der Arbeitgeber die dafür gezahlte Urlaubsvergütung vom Arbeitnehmer nicht zurückfordern.


Urlaubsentgelt

Jugendliche Arbeitnehmer erhalten (wie gewerbliche Arbeitnehmer nach vollendetem 18. Lebensjahr) ein zusätzliches Urlaubsgeld von 25% des Urlaubsentgelts.


Meldung und Erstattung

Die gezahlte Urlaubsvergütung (Urlaubsentgelt und zusätzliches Urlaubsgeld in einem Betrag) gibt der Arbeitgeber bei den monatlichen arbeitnehmerbezogenen Meldungen an SOKA-BAU an. Die gezahlte Urlaubsvergütung wird von der UKB erstattet.


Übertragen von Resturlaub bei Eintritt der Volljährigkeit im laufenden Kalenderjahr

Vollendet ein jugendlicher Arbeitnehmer im laufenden Kalenderjahr das 18. Lebensjahr und besteht das Arbeitsverhältnis über den 31. Dezember hinaus, so wird der Resturlaubsanspruch wie bei volljährigen Arbeitnehmern im Auslernjahr in das folgende Jahr übertragen.

Die Urlaubsvergütung für die übertragenen Resturlaubstage errechnen Sie aus dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Jahresende erzielt hat.

Der übertragene Resturlaubsanspruch kann bis zum
31. Dezember des folgenden Jahres gewährt und genommen werden. Danach besteht Anspruch auf Entschädigung.

Wichtig:

Wird das Arbeitsverhältnis eines jugendlichen Arbeitnehmers, der im laufenden Kalenderjahr das 18. Lebensjahr vollendet hat, vor dem 1. Januar des Folgejahres beendet, gilt die vorgenannte Regelung der Übertragung nicht. In diesem Fall ist der offene Urlaubsanspruch durch den Bauarbeitgeber zu gewähren oder abzugelten. Ein Abgeltungs- oder Entschädigungsanspruch gegenüber der UKB ist in diesem Fall ebenfalls ausgeschlossen.


Definition: voller Monat

Für die Definition eines vollen Monats gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Ein voller Monat ist ein ununterbrochenes Beschäftigungsver- hältnis vom ersten bis zum letzten Tag eines Monats, z.B. vom 1. Januar 2012 bis zum 31. Januar 2012.
  • Ein voller Monat ist ebenfalls ein voller Beschäftigungsmonat, z.B. mit einer Beschäftigung vom 4. Januar 2012 bis zum 3. Februar 2012. Ist ein Arbeitnehmer beschäftigt vom 1. September 2012 bis 27. September 2012 und vom 6. November 2012 bis 30. November 2012, so liegt kein voller ununterbrochener Monat Beschäftigungszeit vor.