Urlaub für volljährige Arbeitnehmer
im Auslernjahr


Urlaub während des gewerblichen Ausbildungsverhältnisses

  • Urlaubsjahr ist das Kalenderjahr und nicht das Ausbildungsjahr
  • Der Urlaub beträgt für gewerblich Auszubildende 30 Arbeitstage.
  • Der volle Urlaubsanspruch wird erstmalig nach einer ununterbrochenen Ausbildungszeit von 6 Monaten erworben. Danach erwirbt der Auszubildende jeweils zum 01.01. den vollen Urlaubsanspruch.

Urlaubsanspruch nach der Übernahme in ein Arbeitsverhältnis

Bei der Berechnung der Beschäftigungstage werden bei volljährigen Arbeitnehmern (diese haben am 1. Januar des Auslernjahres das 18. Lebensjahr bereits vollendet) im Auslernjahr die Tage der Ausbildung im Kalenderjahr mit berücksichtigt.

Bei der Ermittlung des Urlaubsanspruchs sind die während
der Ausbildung im Auslernjahr erworbenen und genommenen Urlaubstage zu berücksichtigen.

Beispiel:

Ein 19-jähriger Auszubildender schließt am 19. Juni 2016 seine Ausbildung erfolgreich ab. Er wird von seinem Ausbildungsbetrieb sofort als gewerblicher Arbeitnehmer übernommen. Noch während der Ausbildung hatte er von seinem Urlaubsanspruch 2016 bereits 8 Tage in Anspruch genommen.

Wenn der ehemalige Auszubildende beispielsweise am
19. August 2016 Urlaub antritt, wird sein Urlaubsanspruch
wie folgt errechnet:

Beschäftigungstage vom 1. Januar bis 31. Juli 2016
(7 Monate mal 30 Tage): 
 
210 Beschäftigungstage
Beschäftigungstage vom 1. August bis 18. August 2016: 
 18 Beschäftigungstage
Insgesamt: 
 228 Beschäftigungstage
 
 
228 Beschäftigungstage geteilt durch 12: 
 19,00 Urlaubstage
abzüglich bereits gewährter Urlaubstage: 
 8,00 Urlaubstage
verfügbare Urlaubstage: 
 11,00 Urlaubstage
Verfügbare volle Urlaubstage für Gewährung ab 19.08.2016: 
 11,00 Urlaubstage



Urlaubsentgelt

Die Höhe des Urlaubsentgelts für Urlaub, der nach Beendigung der Ausbildung im Auslernjahr gewährt und genommen wird, richtet sich nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, den der Arbeitnehmer in den letzten 13 Wochen vor Beginn des Urlaubs erhalten hat. Das Urlaubsentgelt errechnet sich also nicht nach einem Prozentsatz des Bruttolohns.

Besteht nach Beendigung der Ausbildung noch kein Zeitraum von 13 Wochen, legen Sie den nach Beendigung der Ausbildung erzielten durchschnittlichen Verdienst zu Grunde.

Bei Verdiensterhöhungen nicht nur vorübergehender Art, die während des 13-Wochen-Zeitraums oder während des Urlaubs eintreten, gehen Sie von dem erhöhten Verdienst aus.

Bitte beachten Sie, dass das 13. Monatseinkommen (Weihnachtsgeld) bei der Berechnung des Durch- schnittsverdienstes unberücksichtigt bleibt.

Beachten Sie bitte auch, dass Verdienstkürzungen, die im Abrechnungszeitraum infolge von Kurzarbeit, Arbeitsausfällen oder unverschuldeter Arbeitsversäumnis eintreten, sowie zusätzlich für Überstunden gezahltes Arbeitsentgelt beim Errechnen des Urlaubsentgelts nicht berücksichtigt werden dürfen (vgl. § 11 Bundesurlaubsgesetz). Sie vermindern oder erhöhen also nicht das Urlaubsentgelt.

Bei Errechnen des Urlaubsentgelts legen Sie nur die tatsächlichen Arbeitstage in dem 13-Wochen-Zeitraum zugrunde. Der Bruttolohn der letzten 13 Wochen wird durch die Zahl der lohnzahlungspflichtigen Tage (einschließlich der Tage mit Entgeltfortzahlung) geteilt. Das Ergebnis ist das Urlaubsentgelt für einen Urlaubstag.

Das Urlaubsentgelt ist für jeden Urlaubstag (ohne Rücksicht auf die betrieblich geregelte Arbeitszeit während des Urlaubs) als tägliches Urlaubsentgelt zu Grunde zu legen.


Zusätzliches Urlaubsgeld

Für volljährige Arbeitnehmer im Auslernjahr beträgt das
zusätzliche Urlaubsgeld in der Zeit vom 01.01.2016 bis 31.12.2017 20% des Urlaubsentgelts.


Ausscheiden nach beendeter Ausbildung

Scheidet der Auszubildende nach beendeter Ausbildung aus dem Betrieb aus und ist der Urlaub vor Beendigung des Ausbildungsverhältnisses nicht vollständig gewährt worden, gilt Folgendes:

Wird spätestens bis zum 1. Juli des folgenden Jahres ein Arbeitsverhältnis zu einem Baubetrieb begründet, hat der Arbeitnehmer Anspruch auf die Urlaubstage, die sich bei der Berechnung des Urlaubs nach den Beschäftigungstagen während des Ausbildungsverhältnisses und evtl. Arbeitsverhältnisses abzüglich der gewährten Urlaubstage ergeben. Bezüglich des Verfalls und der Entschädigung gelten für diese Ansprüche dann die allgemeinen Bestimmungen entsprechend.

Nimmt der ehemalige Auszubildende jedoch bis zum 1. Juli des folgenden Jahres keine baugewerbliche Tätigkeit auf, ist der aus dem Ausbildungsverhältnis noch bestehende Urlaubsanspruch durch den Ausbildungsbetrieb abzugelten. Die Abgeltung erfolgt in Höhe des während des Ausbildungsverhältnisses entstan- denen Urlaubsentgelts und zusätzlichen Urlaubsgeldes. Das Urlaubsentgelt pro abzugeltenden Urlaubstag beträgt 1/22 der letzten monatlichen Ausbildungsvergütung. Hinzuzurechnen ist das zusätzliche Urlaubsgeld in Höhe von derzeit 20%. Der Arbeitgeber hat in diesem Fall gegenüber SOKA-BAU keinen Anspruch auf Erstattung, da gemäß § 23 BBTV die Urlaubskosten in den Erstattungen der Ausbildungsvergütungen enthalten sind.

Dieser Abgeltungsanspruch verfällt, wenn er nicht bis zum
30. September dieses folgenden Jahres schriftlich gegenüber dem früheren Ausbildungsbetrieb geltend gemacht wurde. Ein Entschädigungs- und Abgeltungsanspruch gegenüber der UKB besteht für diese ehemaligen Auszubildenden nicht.


Ausscheiden nach Aufnahme eines Arbeitsverhältnisses

Hat der gewerbliche Arbeitnehmer im Auslernjahr nach Ausbildungsende ein Arbeitsverhältnis in einem Baubetrieb aufgenommen und scheidet jedoch vor Beendigung des Auslernjahres aus dem Baugewerbe aus, ist der Urlaubsanspruch wie bei den übrigen gewerblichen Arbeitnehmern zu behandeln.

Der Anspruch ist nur dann abzugelten, wenn ein Abgeltungsgrund vorliegt bzw. als Entschädigung zu zahlen, wenn der Verfall eingetreten ist.


Übertragen von Resturlaubsansprüchen

Dauert das Arbeitsverhältnis über den 31.12. des Auslernjahres hinaus an, errechnen Sie den Resturlaubsanspruch und übertragen ihn in das folgende Jahr. Die Urlaubsvergütung für die zu übertragenden Resturlaubstage wird am Jahresende aus dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst der letzten 13 Wochen vor Jahresende (= 3 Lohnabrechnungszeiträume, von Oktober bis Dezember) errechnet.

Der übertragene Urlaub aus dem Auslernjahr kann bis zum
31. Dezember des folgenden Jahres gewährt und genommen werden.

Beispiel:

Ein volljähriger Arbeitnehmer beendet am 4. Juli 2016
seine Ausbildung und wird anschließend in ein gewerbliches Arbeitsverhältnis übernommen. Am Jahresende 2016 ergibt
sich Folgendes:

Es liegen 360 Beschäftigungstage (einschließlich der Ausbildungszeit in 2016) vor, daraus ergibt sich ein Anspruch
auf 30 Tage Urlaub (Berechnung: 360 geteilt durch 12 = 30).

Würden zum Beispiel 20 Urlaubstage in der Zeit vom 01.01. bis 31.12.2016 gewährt, sind die zu übertragenden Resturlaubstage 10 Tage (Berechnung: 30 minus 20 = 10).

Die Urlaubsvergütung wird errechnet aus dem Durchschnittsverdienst der letzten 13 Wochen vor dem 31.12.2016. Im Beispiel entstand ein Bruttolohn von
6.099,56 EUR für 65 lohnzahlungspflichtige Tage.

Errechnen der Resturlaubsvergütung:

6.099,56 EUR geteilt durch 65 mal 10: 
 938,40 EUR
 Urlaubsentgelt
938,40 EUR mal 20%: 
 234,60 EUR
 zusätzliches Urlaubsgeld
938,40 EUR plus 234,60 EUR: 
 1.173,00 EUR
 Urlaubsvergütung
Zu übertragende Resturlaubsvergütung: 
 1.173,00 EUR
 Urlaubsvergütung


Der übertragene Resturlaubsanspruch kann bis zum
31. Dezember 2017 gewährt und genommen werden.

Eine Übertragung des Resturlaubs in das folgende Jahr
erfolgt auch dann, wenn der Arbeitnehmer

  • noch vor dem 31. Dezember des Auslernjahres aus einem Arbeitsverhältnis ausgeschieden ist und im folgenden Kalenderjahr erneut ein Arbeitsverhältnis aufnimmt.
  • der ehemalige Auszubildende nicht mehr im Auslernjahr, aber spätestens am 1. Juli des folgenden Jahres ein Arbeitsverhältnis aufnimmt.

In beiden Fällen errechnen Sie die Urlaubsvergütung für die übertragenen Resturlaubstage aus dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst, den der Arbeitnehmer im ersten Abrechnungsmonat nach Arbeitsaufnahme im folgenden Jahr erzielt hat.

Für diese übertragenen Urlaubsansprüche gelten die tariflichen Bestimmungen für den Anspruch auf Urlaubsabgeltung oder Entschädigung entsprechend.

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